Taftstoffe



Häufig gestellte Fragen

Der Begriff „Wolltaft“ ist irreführend. Weder verbirgt sich dahinter echte Wolle noch ein „wollener Taft“. Bezeichnet wurde damit umgangssprachlich noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Baumwoll- oder Wolltaffet, der ein besonders festes und dichtes Gewebe darstellte. Zur Erklärung dieser Wortbildung durch mehrere Jahrhunderte hindurch muss hier weniger auf die Gewebebeschaffenheit als auf sprachliche Entwicklungen im europäischen Raum geschaut werden. Schon im frühen 19. Jahrhundert befasste man sich mit dem Versuch einer Richtigstellung und geradezu Entmystifizierung des irreführenden Ausdrucks. Bereits in der Prechtl Enzyklopädie, einem polytechnischen Nachschlagewerk von 1830, findet sich folgende Definition zum Schlagwort „Wolltaft:“

„… ein leinwandartig gewebtes leichteres Zeug aus gekochter Seide, Kette Organsin, einfädig, Schuß Trama, 1–3 fädig, je nachdem das Gewebe leichter od. schwerer ausfallen soll. Frankreich, Italien u. Deutschland liefern diese Waaren in Menge; man hat davon sehr viele Arten, als: einfarbige, changirende, gestreifte, gegitterte od. schottische, pickirte, gemuschelte od. Muschel-T. …“

Doch auch derartige Definitionen und Richtigstellungen änderten nichts daran, dass noch im 20. Jahrhundert das Berliner Luxuskaufhaus KaDeWe in seinen illustrierten Werbeprospekten von „Wolltaffet“ sprach.

Wie entstand der Begriff Wolltaft?

Ein Taft oder Taffetta sowie eine Menge ähnlicher Bezeichnungen in abgewandelter Form je nach Sprache bedeutet ganz einfach „Gewebe“ und stammt aus dem persischen Sprachraum. Ein derartiger Taft kann aus reiner Seide oder moderner Chemiefasern bestehen und wird in verschiedenen Webmustern angeboten.

Das Wort Kammertuch kannte man seit dem Mittelalter. Hierunter verstand man ein leinwandartiges Baumwollgewebe, das zur Anfertigung von Herrenhemden benutzt wurde. Der Ausdruck „Kammertuch“ ging wiederum aus dem Begriff „Tuch aus Cambray“ hervor, wo dieser Stoff ursprünglich hergestellt, sozusagen erfunden wurde. Hiermit ist die niederländische Stadt Cambrai gemeint, die für ihre Stoffproduktion seit dem Mittelalter berühmt war.

Zusammenfassend steht also die Silbe „Woll“ für die aus dem Kammertuch bekannte Baumwolle und die Silbe „taft“ für ein textiles Gewebe.

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